Was muss ein Hund lernen, damit er zuverlässig auf den Rückruf zurückkommt? In den meisten Hundeschulen wird der Rückruf mit einer besonders hochwertigen Belohnung eintrainiert. Hund soll ja schließlich einen Grund haben, weshalb er zurückkommt. Es soll sich für ihn lohnen. Daher werden besonders hochwertige Leckereien verteilt, ein besonders tolles Spiel gespielt und für jede Menge Action und Freude gesorgt, wenn der Hund auf Signal zu einem zurückkommt. Soweit so gut, aber was passiert, wenn der Hund entscheidet, dass der entgegenkommende Hund jetzt viel interessanter ist als die Leberwurst, die Mutti bereit hält? Was bleiben einem für Möglichkeiten, wenn die akkurat eintrainierte Pfeife versagt, wenn Hund einem flüchtenden Reh oder einer Katzen hinterherrennt?

Ein zuverlässiger Rückruf in allen Lebenslagen ist die Königsdisziplin. Keine Frage. Meiner Meinung nach ist er das aber deshalb, weil Hund dafür einiges können muss. An vorderster Stelle steht dabei sicherlich die Selbstbeherrschung. Denn wenn ein Hund gelernt hat, sich auch mal zurückzunehmen, auf Dinge zu verzichten und nicht nur seinen Emotionen zu folgen, der bringt schon mal gute Voraussetzungen für selbstbeherrschendes Verhalten mit. Ein Hund, der gelernt hat, nachzudenken, zuzuhören, seinen Halter und vor allem das was dieser von ihm möchte, auch ernst zu nehmen, braucht für ein freudiges Zurückkommen nicht mit Futter bestochen zu werden. Ein Hund, der gelernt hat, Frust auszuhalten und seine Impulsen zu kontrollieren, ist am Ende des Tages auch der Hund, der auf den Rückruf reagiert, auch dann, wenn die Ablenkung noch so verlockend ist.

Leave a Reply